Hochschule Reutlingen
08.10.2026

Neu bei NXT: im Interview mit Prof. Dr. Marko Ljubicic

Prof. Dr. Marko Ljubicic ist dem Ruf der Hochschule gefolgt und beginnt zum Wintersemester 2026/27 als Professur für Rechnungswesen und Controlling an unserer Fakultät NXT.

Herr Prof. Dr. Ljubicic, Sie sind neu an der Hochschule. Wer sind Sie und was haben Sie bisher gemacht?

Ganz so neu bin ich an der Hochschule eigentlich gar nicht: Hier hat vor vielen Jahren meine eigene Studienzeit begonnen. Ich habe an der Hochschule Reutlingen Produktionsmanagement studiert – eine spannende Schnittstelle zwischen Technik und BWL. Relativ schnell habe ich dabei gemerkt, dass meine eigenen Präferenzen eher in Richtung BWL gehen. Deshalb habe ich den betriebswirtschaftlichen Teil anschließend noch einmal vertieft und in Tübingen ein Zweitstudium in reiner BWL inklusive anschließender Promotion absolviert.

Danach ging es für viele Jahre in die Industrie, zuletzt als Senior Manager im Finance-Bereich bei Mercedes-Benz. Dabei bin ich der BWL stets treu geblieben und hatte mit unterschiedlichsten betriebswirtschaftlichen Fragestellungen zu tun.

Als ich hier nun Anfang September mein Büro bezogen habe, hat es sich für mich daher wie ein Nachhausekommen angefühlt.

Ihr Fachgebiet Rechnungswesen und Controlling hat für manche den Ruf, trocken und zäh zu sein. Warum gefällt Ihnen dieses Fachgebiet so sehr?

Ich glaube, ich hatte das Glück, relativ früh herauszufinden, was mir wirklich liegt. Bei mir war das die Verbindung von Zahlen, Unternehmen und Entscheidungen. Dadurch konnte ich mich sowohl im Studium als auch später im Berufsleben immer weiter in diesem Bereich vertiefen.

Und ich hatte dabei noch ein zweites großes Glück: Sowohl während meiner akademischen Zeit als auch in der Industrie hatte ich einige wenige, aber sehr prägende Vorbilder in diesem Fach. Menschen, von denen ich nicht nur fachlich viel gelernt habe, sondern denen ich über die Schulter schauen konnte. Das hat mich nachhaltig geprägt.

Genau das wünsche ich auch meinen Studierenden: dass sie im Laufe ihres Studiums und Berufslebens Menschen begegnen, an denen sie sich orientieren können und von denen sie etwas mitnehmen – fachlich, aber auch persönlich.
 

Was erwartet die Studierenden in Ihren Veranstaltungen und was sollten sie bei Ihnen auf jeden Fall mitnehmen?

Mir ist wichtig, dass BWL nicht nur aus Formeln und Definitionen besteht. Ich möchte möglichst oft zeigen: Wo begegnet uns dieses Thema eigentlich in einem echten Unternehmen? Was bedeutet eine Kennzahl für einen Manager? Und warum ist eine Entscheidung manchmal gar nicht so eindeutig, wie es im Lehrbuch aussieht?

Ich würde mich freuen, wenn die Studierenden am Ende nicht nur wissen, wie man etwas berechnet, sondern auch verstehen, warum man es berechnet und was man daraus ableiten kann. Gerade im Rechnungswesen und Controlling geht es für mich letztlich darum, Zahlen in gute Entscheidungen zu übersetzen. Dabei werde ich möglichst viele Beispiele aus meiner Praxiszeit in der Industrie einbringen.

 

Was macht für Sie die Fakultät NXT und Ihre Studiengänge so besonders?Wenn ich auf die mehr als 25 Jahre seit meiner eigenen Studienzeit im damaligen Studiengang Produktionsmanagement zurückblicke, sehe ich ein sehr stabiles Erfolgskonzept, das auch für die heutigen Studiengänge der NXT-Fakultät gilt: Praxisnähe, Internationalität und Soft Skills – zusätzlich zur Vermittlung von Fachwissen!

Neu dazugekommen ist allerdings das Thema Nachhaltigkeit, das über die vergangenen Jahre in allen technischen, betriebswirtschaftlichen und sozialen Fachgebieten stetig an Bedeutung gewonnen hat und heute zu Recht eine zentrale Rolle spielt. Denn letztlich ist Nachhaltigkeit ein Thema, mit dem wir uns alle auseinandersetzen müssen. Wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir nachhaltig in die Welt von morgen gehen.

Wenn wir an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die EU-Taxomomie denken, betrifft das natürlich auch das Rechnungswesen und Controlling.  Dass Unternehmen über ihre Nachhaltigkeit berichten, halte ich grundsätzlich für eine sehr gute und wichtige Entwicklung. Gleichzeitig sehe ich bei der konkreten Umsetzung noch viel Verbesserungspotenzial. Und genau das macht das Thema für mich auch so spannend: Wir haben hier nicht nur ein neues Regelwerk, sondern ein Feld, das sich noch stark entwickelt und das wir in Zukunft aktiv mitgestalten können.
 

Und zum Schluss: Was sollte man über Sie wissen, das man nicht unbedingt in Ihrem Lebenslauf findet?

Ich bin jemand, der gerne im Austausch mit anderen ist und tatsächlich Freude daran hat, wenn jemand eine Veranstaltung mit einer Frage verlässt, über die er vorher noch nicht nachgedacht hat. Ich muss dabei übrigens nicht immer selbst die Antwort haben – manchmal ist die spannendere Frage, gemeinsam herauszufinden, wie man zu einer guten Antwort kommt. Und genau diese Neugier möchte ich auch in meine Lehre mitbringen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!